Freitag, 25. Mai 2012

Aus drei mach eins – eine archäologische Montage mit OpenSource-Grafik


Natürlich ist Photoshop toll, aber ich kann es mir nicht leisten. Dennoch stehe ich dann und wann vor grafischen Herausforderungen, die gelöst werden müssen. Also greife ich zu kostenlosen Programmen aus dem Netz –in diesem Fall zu Gimp. Es gibt aber noch andere Software, die ähnliches kann, aber ich komme mit Gimp für die meisten Anwendungen zurecht.

Sicher – ein Profi würde es anders machen.

Also ich hatte folgendes Problem. Eine der Schlüsselbefunde meiner Dissertation ist der Vorgängerbau der Elisabethkirche. An genau diesem Gebäude ist die Baunaht zwischen Saal und dem westlich anschließenden Turm besonders spannend. Nun ist aber das interessante Planum II auf drei verschiedenen Blättern dokumentiert. Das ist grabungstechnisch bedingt wohl nicht anders möglich gewesen. Zur besseren Orientierung habe ich eine kurze Steinreihe blau eingefärbt, damit klar wird, wo sich welche Mauerpartien auf den Plänen befinden. 

Originalplan 1 (Zeichnung auf weißen Karton LFDHM S. Gütter)
  

Originalplan 2 (Zeichnung auf weißen Karton LFDHM S. Gütter




Originalplan 3 (Zeichnung auf weißen Karton LFDHM S. Gütter)



Schöner wäre es natürlich, wenn man alles auf einem einzigen Plan erkennen könnte. Da gibt es drei Möglichkeiten.

1. Ich scanne die Pläne und entzerre sie (z.B. PhotoplanApp von Kubit für AutoCAD) Dann vektorisiere ich alle Mauersteine und sonstige Informationen.

Ich habe das getan, aber eine Colorierung kann man nicht vektorisieren und darin stecken Informationen, die man durch Schraffuren nicht ersetzen kann.

2. Ich mache eine Farbkopie, schneide die Befunde aus und klebe sie wieder zusammen.

Ich habe das getan. Hat Spaß gemacht, Erkenntnis gebracht. Ist aber leider für eine spätere Publikation nicht zu gebrauchen. Der Klebstoff hat nämlich die Farbe angelöst und verwischt.

3. Ich scanne die Pläne und entzerre sie. Ich füge sie zusammen mache ein .jpg oder ein .tiff daraus und verklebe mir nicht die Finger.

Ich bin also folgendermaßen vorgegangen:

Ich habe einen der Pläne in Gimp geöffnet. Dann habe ich eine neue EBENE generiert mit der Eigenschaft TRANSPARENZ. Dann habe ich unter dem Menü EBENEN – TRANSPARENZ – ALPHAKANAL HINZUFÜGEN gewählt.

Dann habe ich mit dem Radierer das Bild ausgeschnitten. Durch die einfache Zoomfunktion und die Möglichkeit beim RADIERER die Größe zu variieren, kann man sehr exakt arbeiten.

Das Ergebnis sieht so aus:

Screenshoot aus Gimp. Erstes Ausschneiden von Originalplan 1 (Screenshot und Bearbeitung: M.Platz)

Screenshoot aus Gimp. Ausschneiden von Originalplan 1 (Screenshot und Bearbeitung: M.Platz)

 Dann öffne ich den nächsten Plan in Gimp, lege ihn in die Zwischenablage (wahrscheinlich gibt es elegantere Wege) und füge ihn in einer neuen Ebene in die vorherige Zeichnung ein.
Hier zeigt sich ob alle Zeichnungen gut entzerrt sind. Das ist nämlich die Grundvoraussetzung für ein Gelingen. Wesentlich ist noch, dass alle Zeichnungen die gleiche Größe haben. Die Gesamtpixelzahl sollte übereinstimmen, sonst gibt es Probleme.
Ich schalte alle unwesentlichen EBENEN aus und schneide mit dem RADIERER wieder den Befund aus.

Das Ergebnis sieht so aus:

Screenshoot aus Gimp. Originalplan 1 und 2 zusammengefügt  (Screenshot und Bearbeitung: M.Platz)


Bei Plan drei ist das Prozedere etwas einfacher. Ich öffne den Plan in einer neuen EBENE, verschiebe diese Ebene unter die ausgeschnittenen Befunde und schalte ihn an. Fertig.

Das Ergebnis sieht so aus:

Screenshoot aus Gimp. Alle drei Originalpläne zusammengefügt (Screenshot und Bearbeitung: M.Platz)

Vollständige Montage von Planum II westlich der Nordkonche (Grafik: M. Platz)
 Wenn ich das mit allen Originalzeichnungen südlich der Nordkonche gemacht habe, habe ich folgende Grafik vor mir, die mir ein schärferes Bild vom Befundzusammenhang gibt und ich kann diese für Vorträge und die Endpublikation gut verwenden und in andere Grafiken einbinden.



Kommentare:

  1. Interessante Methode, muss ich mal ausprobieren. Besonders gut gefällt mir das Du Gimp benutzt, da kostenfrei. Nur für das Entzerren von Plänen/Fotos suche ich noch eine gute und kostenfreie Lösung.

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    1. Hallo Guido,
      ich suche auch noch so einer Methode, kostenfrei zu entzerren, wenn ich eine gute gefunden habe, mach ich nen Post oder gib bescheid!! :) Gruß aus Duisburg

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    2. Hallo Maxi und Guido,
      ich entzerre z.B. Luftbilder mit QGIS. Das Pragramm ist open source und einfach zu bedienen http://hub.qgis.org/projects/quantum-gis/wiki/Download
      Gruß aus Mainz, Ricarda.

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    3. Hallo Ricarda,

      stimmt, da war was. Quantum-GIS. Besten Dank für den Hinweis und Gruß nach Mainz, Maxi

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