Freitag, 18. Mai 2012

Helgoländer Strandgut – Spuren menschlicher Hinterlassenschaften

Helgoland – die einzige deutsche Hochseeinsel. Ein einsamer Sandsteinfelsen mitten in der Nordsee. Eine bewegte Geschichte als Heimat ein paar bettelarmer Fischer, als strategischer Marinehafen während zweier Weltkriege, als Fuselfelsen der Bonner Republik und bald Offshore-Windkraft-Logistikzentrum der Energiewende. Am Strand finden sich die völlig verrollten Hinterlassenschaften Helgolands vor der großen Zerstörung durch die Briten.

Helgoland ist eine Reise wert und ein wunderbarer Ort zum Abschalten von den Wichtigkeiten des Alltags. Das Festland ist fern und wenn das letzte Schiff gefahren ist, ist das letzte Schiff gefahren. Die größten sichtbaren Veränderungen wurden der Insel zwischen 1938 und 1947 zugefügt. Die Nazis wollten Helgoland zu einer Festung ausbauen. Das Eiland wurde von Bunkeranlagen durchlöchert wie ein Schweizer Käse und es wurde großflächig Land aufgeschüttet. Das Wahnprojekt Hummerschere sollte nicht vollendet werden. Die Briten bombardierten Helgoland ab 1942 regelmäßig und 1947 erlebte die Insel die größte nichtnukleare Sprengung in der Geschichte. Als die ersten Deutschen die Insel wieder betraten, glich sie einer Mondlandschaft. Die Architektur, die einem heute auf der Insel begegnet, ist ein geschlossen erhaltenes Ensemble der fünfziger und frühen sechziger Jahre.
Vor den Kriegen war Helgoland ein Kurbad mit vielen Badegästen. Auch die Spuren dieser Zeit wurden 1947 zerstört. Bei der Explosion wurden die Trümmer ins Meer geschleudert oder damit Bombenkrater für den Wiederaufbau einplaniert.

Spannend ist ein Spaziergang am Nordstrand. Nicht nur weil man dort Muscheln, den berühmten roten Flint oder Bernstein finden kann. Der ganze Strand liegt voller Steine und Geröll, völlig verrollt und zum Teil erst beim genaueren Hinsehen als Wasserrohre, Fliesen, verbrannte Ziegel, teilweise noch im Verband, Stahlbeton und vieles mehr erkennbar.

In nur wenigen Jahren hat die Hochsee diese Trümmer so abgeschliffen, dass sie wie Kiesel am Strand liegen.

Hier ein paar archäologische Urlaubsimpressionen aus Helgoland.

Reste eines Abwasserrohres (Foto M. Platz 2012)

Durch das Meer verundeter Beton (Foto M. Platz 2012)

Stück eines betonierten Rohres (Foto M. Platz 2012)

Verrunderter Ziegelverband (Foto M. Platz 2012)

Völlig abgeschliffener Ziegelverband (Foto M. Platz 2012)

Weißer Klinker (Foto M. Platz 2012)

Stück einer Fliese (Foto M. Platz 2012)
Von Kindern errichtete Klinkerburg am Nordstrand (Foto M. Platz 2012)

E. Krüss, Die Befestigungsanlagen der Insel Helgoland im Laufe der Jahrhunderte (Helgoland 2011)4
H.P. Rickmers- C. Röper- H. Huster, Helgoland. Schicksal einer Insel (Helgoland 1986)3
A. Panten, Helgoland im Mittelalter. Geschichte und Umfang, Zeugnisse, Karten und Überlegungen zum Helgoland des Mittelalters (Helgoland 2002)
(Das ist die Literatur, die ich in der Hausbibliothek des Appartements fand)

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